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Ankündigung eines Buches über „Ritterkreuzträger im Mannschaftsstand“

 

Erscheinungsdatum:     voraussichtlich im Oktober 2009
     im VDM-Verlag Heinz Nickel, Postfach 1647, 66466 Zweibrücken
   DIN A4 – Format, über 500 Seiten und mit fast 700 Fotos versehen,
   teils noch nie zuvor veröffentlicht und in hervorragender Qualität

Vom Schützen, Grenadier, Pionier, usw. bis hin zum Stabsgefreiten wurden in den Kriegsjahren 1941 – 1945 vom Oberbefehlshaber der Wehrmacht an 252 Soldaten im Mannschaftsstand aller Wehrmachtsteile nach einheitlichen Kriterien das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.

Die zwei Buchautoren Jürgen Huß und Heinz-Werner Sondermann haben es sich zur Aufgabe gemacht, ein Nachschlagewerk über die hoch ausgezeichneten Soldaten mit den „niedrigen“ militärischen Dienstgraden herauszubringen, denen in der Militärgeschichte bisher wenig Beachtung entgegengebracht wurde. Das Buch wird daher ein „Lückenfüller“ sein!

Die Soldaten im Mannschaftsstand haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten ebenfalls kampfentscheidende Leistungen vollbracht, die ihrer Truppenführung verbesserte Ausgangspositionen nachhaltiger Kämpfe ermöglichten und darüber hinaus vielen ihrer Kameraden das Leben retteten. Nur 3,5 % aller mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichneten Soldaten nimmt die relativ kleine Sparte der Mannschaftsdienstgrade für sich in Anspruch. Die Recherchen zwecks Erstellung von Biographien gestalteten sich als äußerst schwierig, weil in den Archiven infolge Kriegseinwirkungen keine Unterlagen zu finden sind.

Oftmals ungewollt und unbeabsichtigt sind die mit dem Ritterkreuz ausgezeichneten tapferen Soldaten aus gewissen Not- und Krisenlagen heraus an den jeweiligen Frontabschnitten zu großen Helden geworden. Sie folgten nicht einem Befehl, sondern handelten aus freiem Entschluss heraus, einem sechsten Sinn folgend und ignorierten gegebenenfalls einen auszuführenden Befehl.

Der erfahrene Frontsoldat entwickelte sein soldatisches Selbstverständnis auf Basis seiner im Kampf gemachten Erfahrungen. Daher vermochte er sich entwickelnde krisenhafte Kampftätigkeiten abzuschätzen. Er musste aus eigener Entschlusskraft schnell und zügig handeln, um seiner Truppe eine mögliche Niederlage zu ersparen, um damit ein Maximum an Erfolg zu erreichen. Daraus leitet sich ab, dass ein an Menschen und Material überlegener Gegner nicht so ohne weiteres zu besiegen war. Nur bei Anwendung einer überlegenen Strategie und Taktik konnte der Gegner mit einer besonderen Waffentat besiegt werden.

Von allen Mannschaftsdienstgraden, die mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet wurden, waren etwa ⅔ Obergefreite. Obwohl man dem Obergefreiten eine gewisse Sturheit nachsagte, waren diese erfahrenen Frontsoldaten stets zur Stelle, wenn brenzlige Kampfhandlungen sich abzuzeichnen drohten, die wohlmöglich ganze Frontabschnitte hätten einstürzen lassen können. Nach Ausfall ihrer Vorgesetzten führten die Obergefreiten im Kampf Züge und Kompanien, aber auch als Einzelkämpfer vollbrachten sie vorbildliche Waffentaten. Eine Mischung aus Gruppenführer und Einzelkämpfer war der Obergefreite Fritz Mette, der sich an der Stalingradfront das Ritterkreuz erwarb und in Stalingrad vermisst ist. Nachstehend die Recherche, die hier als stellvertretendes Beispiel für weitere 251 Ritterkreuzträger aus dem Mannschaftsstand vorgestellt werden soll.

                   


Fritz Mette

Ritterkreuz am 05. Jan. 1943
als Obergefreiter, Gruppenführer in der 3./Gren.Rgt. 92 (mot)

60. Infanterie-Division

geb. 20. 03. 1913 Bochum-Laer
verm. 11. 12. 1942 Stalingrad / SU (Angabe: WASt.)
am 14. 02. 1950 amtlich für tot erklärt

Wie der Obergefreite Fritz Mette das Ritterkreuz erwarb:

Fritz Mette trat am 10. Jan. 1940 in die Wehrmacht ein. In der 3. Kompanie/Inf.Ers.Btl. 92 erhielt er in Greifswald (Wehrkreis II, Stettin) seine infanteristische Ausbildung. Nach drei Monaten Rekrutenzeit wurde Mette in die 3./Inf.Rgt. 92 der Danziger 60. ID eingegliedert. Ab Juli 1940 erfolgte die Motorisierung der Division und Anfang 1941 übernahm sie Sicherungsaufgaben in Rumänien und Serbien. Die Beförderung zum Gefreiten erreichte Fritz Mette am 1. Febr. 1941. Erst einige Wochen nach Beginn des Russlandfeldzuges (22. Juni 1941) nahm die 60. ID an diesem teil. Im Rahmen der Panzergruppe 1 (HG-Süd) konnte die Division während der Angriffskämpfe im Raum Shitomir Erfolgsanteile für sich in Anspruch nehmen. Bei diesen Kämpfen bewährte sich Gefreiter Mette mit besonderer Tapferkeit vor dem Feind und wurde am 17. Juli 1941 mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet (hier: 9./Inf.Rgt. 92).

Die Panzergruppe 1 und mit ihr die 60. ID waren bis Ende Okt. 1941 im Donez-Becken bis zum Mius vorgestoßen, als die Herbstschlammperiode plötzlich alle weiteren Operationen stoppte. Erst Wochen später konnten Vormarschkämpfe weiter bis Rostow am Don erfolgen. Im Frühjahr 1942 hatte sich bei Isjum am Donez, südöstlich von Charkow, ein großer Frontbogen gebildet. Die Sowjets planten Charkow zurück zu erobern. Noch vor dem geplanten deutschen Angriff zur Bereinigung des Frontbogens griffen die Sowjets am 12. Mai 1942 überraschend mit starken Kräften und einer Zangenbewegung die 6. Armee des Generals Friedrich Paulus an. Mit kampfkräftiger Unterstützung der 60. ID konnte der versuchte Einschluss abgewendet werden. Zu dieser Zeit erhielt Fritz Mette seine Beförderung zum Obergefreiten.

Mit Hitlers „Fall Blau“, Führerweisung Nr. 41 vom 5. April 1942, sollte westlich von Stalingrad eine riesige Zangenbewegung die Sowjets im Donez-Korridor einschließen und vernichten. Erst später wurde der „Fall Blau“ abgeändert und Stalingrad als Angriffsziel ohne Vornahme einer Zangenbewegung befohlen. So stieß ab Sept. 1942 die 6. Armee und mit dabei die 60. ID nach Stalingrad vor. Die 60. ID, 3. ID und 16. PD (XIV. Pz.Korps) übernahmen die Angriffsspitze. Schwere Kämpfe entwickelten sich bei Kalatsch sowie auf dem weiteren Vormarschweg nach Stalingrad. Im Sept. 1942 stand die 60. ID nordwestlich von Stalingrad und richtete sich zur Verteidigung entlang der Landbrücke zwischen Don und Wolga, im so genannten „Tatarenwall“, ein. Die tief gezogenen Balkas (Mulden) wurden hier immer wieder vom Feind zum Einsickern in die deutschen Frontstellungen genutzt; teils gelang es ihm durch die Balkas unbemerkt Panzer durchzuschleusen, die dann im Rücken auftauchten und für große Verwirrung sorgten.

Am 1. Okt. 1942 ging die 60. ID gemeinsam mit der 16. PD zum Angriff auf Stalingrad vor. Ziele waren die Ortschaften Orlovka und Wodstroj. Orlovka wurde durch ein verstärktes feindliches Bataillon und einer Artillerie-Batterie nebst 82 mm Granatwerfern verteidigt. In Wodstroj und östlich davon bestand die gegnerische Verteidigung aus einem Panzer-Regiment. Die Kämpfe dauerten 7 Tage an, dann zog sich der Gegner aufgrund des anhaltenden Kampfdrucks aus Orlovka in Richtung Stalingrad zurück. Kurz darauf nahm jedoch der Feinddruck gegen die 60. ID wieder zu. Während der Abwehr- und Stellungskämpfe bewährte sich Obergefreiter Fritz Mette mit besonderer Tapferkeit vor dem Feind, wofür er am 15. Okt. 1942 mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet wurde.

Am 20. Okt. 1942 wehrten die 3. ID und 60. ID mehrere nach stärkster Artillerie- und Salvengeschützvorbereitung auf breiter Front geführte Angriffe von zahlenmäßig stark überlegenen sowjetischen Kräften erfolgreich ab und führten dem Feind hohe Verluste zu. Die HKL blieb fest in eigener Hand. Am frühen Morgen des 30. Okt. 1942 gelang dann dem Gegner der Einbruch mit starker Formation. Panzer- und Infanteriekräfte durchbrachen den Ostflügel der Division und konnten nordwestlich Orlovka fast bis zu 5 km vorstoßen. Mit Gegenangriffen der 3. ID und 60. ID konnte der Einbruch bis zum 3. Nov. 1942 bereinigt werden. Die Front war in diesem Abschnitt wieder stabilisiert; es kehrte eine gewisse Ruhe ein, sogar Verstärkungen konnten herangebracht und Truppenteile in Urlaub geschickt werden.

Die eingekehrte Ruhe wurde am 25. Nov. 1942, zu dieser Zeit war der Stalingradkessel gänzlich geschlossen, jäh unterbrochen, als der Gegner erneut massive Angriffe gegen die Stellungen der 60. ID vornahm, wobei es ihm gelang, zwei tiefe Einbrüche im rechten Flügel zu erzwingen. Sofort eingeleitete Gegenmaßnahmen hatten Erfolg, so dass die Höhe 135,4 wieder zurück gewonnen und die Sowjets vor der Höhe 139,7 zum Stehen gebracht werden konnte. Das Ziel des Feindes war deutsche Truppen auf engstem Raum in Richtung Stalingrad zurückzudrücken, was dem Gegner auch nach und nach gelang. Der Kessel von Stalingrad wurde nun immer enger. Während der nächsten 4 Tage trug der Gegner immer wieder schwere Angriffe vor und konnte auch mehrere Einbrüche erzielen, welche aber abgeriegelt werden konnten. Vom 25. bis 29. Nov. 1942 blieben 13 ausgebrannte Feindpanzer und unzählige Tote bei Orlovka vor den Stellungen des Gren.Rgt. 92 (Fritz Mette) liegen.

Am 5. Dez. 1942 trug der Gegner wieder mehrere Angriffe vor und konnte zwei tiefe Einbrüche erzielen. Es wurden mehr als 60 Feindpanzer festgestellt. Gegenangriffe wurden sofort befohlen, die aber wenig später auf Grund von Treibstoff- und Munitionsmangel aufgegeben werden mussten. Die Abwehr musste nunmehr verstärkt auf die Grenadiere übertragen werden. Es wurde ihnen befohlen, die Einbrüche bei den Gren.Regimentern 92 und 120 (60. ID) mit jeweils etwa 20 Panzern aufzufangen und abzuriegeln. Während der feindliche Vorstoß beim Gren.Rgt. 120 nicht aufzuhalten war und sehr hohe Verluste forderte, kam der Panzervorstoß im Bereich des Gren.Rgt. 92 erst kurz vor dem Regimentsgefechtsstand zum Stehen, wo der Gegner durch Panzer- und Artilleriefeuer 6 Panzer verlor. Nun versuchten die restlichen Panzer zu entkommen. Sie wurden jetzt von Fritz Mette und seinen Grenadieren bekämpft und zwischen Gefechtsstand und eigenen Linien eingeschlossen. In wilder Fahrt versuchten die Feindpanzer der Umklammerung zu entkommen, aber immer wieder stellte sich ihnen die Gruppe Mette entgegen, bis alle Panzer im Nahkampf abgeschossen waren oder kampfunfähig liegen blieben. Am Abend lagen zwischen HKL und Regimentsgefechtsstand auf einem Terrain so groß wie 2 Fußballfelder die brennenden Überreste von 19 zerstörten Panzern, wovon 8 durch die Gruppe Mette ausgeschaltet worden waren. Wie sich später herausstellte, waren die Panzerbesatzungen Arbeiter, welche die Panzer direkt aus dem Traktorenwerk zur Front gefahren hatten. Mit der überaus tapferen Tat des Gruppenführers Fritz Mette hatten er und seine wenigen Grenadiere die ausdauernde Entschlusskraft bewiesen, die seiner Division zum Erfolg verhalf, dass die HKL gehalten werden konnte. Fritz Mette wurde zur Verleihung des Ritterkreuzes zum Eisernen Kreuz eingereicht, das ihm vom OB der Wehrmacht am 5. Jan. 1943 verliehen wurde. Leider hat Obergefreiter Fritz Mette die Aushändigung der hohen Auszeichnung nicht mehr erlebt, denn seit dem 11. Dez. 1942 gilt er als vermisst.

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Während der schweren Kämpfe um und in Stalingrad wurden an sieben Soldaten im Mannschaftsstand Ritterkreuze des Eisernen Kreuzes verliehen. Außer dem Obergefreiten Paul Becker [10./AR 3 (mot) / 3. Infanterie-Division], der das Glück hatte nach seiner schweren Verwundung aus dem Stalingrad-Kessel ausgeflogen zu werden, sind alle sechs Soldaten während der Stalingradkämpfe gefallen, oder sie gelten als vermisst.

Ein weiterer Ritterkreuzträger, Sebastian Reiser, dem als Gefreiter bereits am 11. Okt. 1941 während der Vormarschkämpfe in Russland das Ritterkreuz verliehen wurde, kam am 1. Febr. 1943 als Unteroffizier im Stalingrad-Kessel ebenfalls zu Tode. Erwähnenswert ist weiter, dass an der Stalingradfront an alle Soldaten von Heer und Luftwaffe 122 mal das Ritterkreuz, 11 mal das Eichenlaub zum Ritterkreuz und einmal die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub (Generalleutnant Hans Valentin Hube) verliehen wurde.

Das Buch-Vorwort zu schreiben hat freundlicherweise Herr Othmar W. Hermes übernommen, der als Gefreiter am 11. Juni 1944 an der Ostfront mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet wurde und als Oberstleutnant (Bw) Ende März 1982 aus dem aktiven Dienst ausschied.

Buchbestellung:                Ritterkreuzträger im Mannschaftsstand 1941 - 1945

nimmt ab August 2009 entgegen:
 

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